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Zu Wolfgang Knaufts Konrad von Preysing, Anwalt des Rechts schreibt DER SPIEGEL in Ausgabe 17/2003:

ZEITGESCHICHTE

Die letzte Hoffnung

Der einsame Widerstand des Bischofs Konrad von Preysing gegen das Nazi-Regime

Am 6. März 1943 schrieb Konrad Graf von Preysing, Bischof von Berlin, an einen Freund in Rom einen Brandbrief: "Wäre es nicht möglich, dass Eure Heiligkeit noch einmal versuchten, für die vielen Unglücklichen-Unschuldigen einzutreten? Es ist dies die letzte Hoffnung so vieler."

Gemeint waren die vom Holocaust bedrohten Juden. Adressat des Appells: Eugenio Pacelli, der seit vier Jahren als Papst Pius XII. im Vatikan residierte. Pacelli kannte und schätzte seinen Confrater Preysing seit dem Ersten Weltkrieg. Der Römer war damals Nuntius in Bayern, der aufstrebende deutsche Kleriker Sekretär des Münchner Kardinals. Pacelli suchte auch nach seiner Wahl zum Papst immer wieder den Rat des deutschen Freundes.

Doch der dringenden Bitte, vor der Weltöffentlichkeit für die "Unglücklichen-Unschuldigen" einzutreten, verweigerte sich Pius XII. Er könne, so seine Antwort, den verfolgten Juden keine andere wirksame Hilfe zukommen lassen als das Gebet.

Mehr als jeder andere deutsche Oberhirte war Preysing, so sein Biograf Wolfgang Knauft, "überzeugt, dass die Kirche das himmelschreiende Verbrechen an den Juden nicht mit diplomatischem Schweigen hinnehmen darf"*.

Doch auch beim deutschen Episkopat stieß der bayerische Adlige auf Ablehnung. Vor allem der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, der Breslauer Kardinal Adolf Johann Bertram, blockte alle Initiativen zu offenem Protest ab. Anders als die meisten seiner Kollegen durchschaute der 1880 geborene Preysing den totalitären Charakter des Regimes von Anfang an.

1933 meldete Preysing, seit einem Jahr Bischof von Eichstätt, starke Bedenken gegen das Reichskonkordat an; er fürchtete zu Recht, die Vereinbarung zwischen dem Regime und dem Vatikan könnte als Bekenntnis zur neuen Ordnung verstanden werden.

In Hirtenbriefen, Predigten und Interventionen in der Bischofskonferenz prangerte der Bayer immer wieder die Verstöße der Nazis gegen Gesetze an. 1937 verlangte er, die deutschen Bischöfe sollten in einem eigenen Hirtenbrief die Enzyklika Pius' XI. "Mit brennender Sorge" bekräftigen. Doch die Bedenkenträger um Bertram siegten.

Seit 1935 geriet der erklärte NS-Gegner als Bischof der Reichshauptstadt Berlin weit stärker als im provinziellen Eichstätt ins Blickfeld der braunen Machthaber. Hitler nannte Preysing ein "Rabenaas".

Der innerkirchliche Gegenspieler Bertram war kein Nazi; aber der hochbetagte und kranke Kardinal, Jahrgang 1859, erwies sich als hoffnungslos überfordert. Er verharrte in Loyalität zum NS-Regime selbst dann noch, als dessen Verbrechen längst offensichtlich waren - aus falsch verstandener Ehrfurcht vor der weltlichen Obrigkeit. Und er weigerte sich, für die Juden einzutreten, weil er glaubte, er habe kein Mandat, für sie zu sprechen.

Die Servilität Bertrams eskalierte zu Hitlers 51. Geburtstag am 20. April 1940. In einem Glückwunschschreiben an den "hochgebietenden Herrn Reichskanzler und Führer" übermittelte der Kirchenfürst "namens der Oberhirten aller Diözesen Deutschlands ... die herzlichsten Glückwünsche ... im Verein mit den heißen Gebeten, die die Katholiken Deutschlands am 20. April an den Altären für Volk, Heer und Vaterland, für Staat und Führer zum Himmel senden".

Der keineswegs abgesprochene Brief empörte Preysing so sehr, dass er seinen Posten als Leiter des Pressereferats der Bischofskonferenz niederlegte und dem Papst anbot, als Berliner Oberhirte zurückzutreten - was der ablehnte.

Den heroischen öffentlichen Alleingang gegen den Holocaust wagte auch Preysing nicht, aber er handelte. 1938 gründete er das "Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin", das sich offiziell vor allem um ausreisewillige katholische "Nichtarier" kümmerte. Das Hilfswerk trieb Spenden auf, organisierte Wohnraum und Lebensmittel.

Das Wichtigste aber: Die Organisation sammelte Nachrichten über die Judendeportation, die Preysing an Pius XII. weiterleitete. Durch das Hilfswerk waren auch die anderen deutschen Bischöfe spätestens 1943 über das Ausmaß der Verfolgung informiert. Preysings unbeirrbare Haltung brachte ihn zudem in engen Kontakt zum Widerstand.

Zu Weihnachten 1945, als alles vorbei war, ehrte Pius XII. seinen Freund mit dem Kardinalspurpur. Wenig später kämpfte der Graf schon wieder an einer anderen Front - gegen die Kirchenfeinde von links in der Sowjetischen Besatzungszone. Am 21. Dezember 1950 starb der 70-Jährige an den Folgen eines Herzinfarkts.

Ulrich Schwarz

*Wolfgang Knauft: "Konrad von Preysing, Anwalt des Rechts". Morus Verlag, Berlin; 368 Seiten; 13,80 Euro

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