Bücher  CDs  Gotteslob  Jahrbuch  Sonderthemen  Kontakt 

 

 home/buecher/rezensionen

Impressum 

 Rezensionen 

->aktuelle Bücher ->CDs ->Veröffentlichungsliste ->weitere Rezensionen

Zu unserer Neuauflage Krise zum Heil? Eine Stellungnahme zur nachkonziliaren Traditionsvergessenheit schreibt die Katholische Kirchenzeitung Augsburg:

Stimme des Heiligen Geistes

Morus-Verlag gibt de Lubacs "Krise zum Heil" neu heraus
"Krise zum Heil" lautet die deutsche Übersetzung einer Schrift des französischen Theologen, Jesuiten und Kardinals Henri de Lubac (1896 bis 1991), die der Berliner Morus-Verlag neu aufgelegt hat. Nach der deutschen Erstausgabe im Jahr 1970 war sie seit geraumer Zeit vergriffen. Rudolf Voderholzer, Priester der Erzdiözese München und ausgewiesener Lubac-Kenner, hat das Werk mit einer Einführung versehen. Ein Nachwort beigesteuert hat Olaf Lezinsky, Geschäftsführer des Morus-Verlags.

Wie wird Theologie interessant? Die katholische Theologie des 20. Jahrhunderts liest sich besonders spannend anhand der Lebensläufe derjenigen, die sie maßgeblich beeinflussten. Frankreichs Theologen gebührt in dieser Hinsicht besondere Aufmerksamkeit, aufgrund der großen Ordensleute und Laien, die das Land im 20. Jahrhundert hervorbrachte, aber auch aufgrund der harten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Stellung des Christentums, die die Kirche dort zu be-stehen hatte: die schmerzhafte Trennung von Kirche und Staat Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst, dann jedoch der Widerstand zahlreicher Theologen und Christdemokraten gegen die mörderische deutsche Besetzung von 1940 bis 1944.

Mit die bescheidenste, intellektuell jedoch spektakulärste Persönlichkeit, die die Erfahrung dieser Epoche erlitten, aber auch geprägt hat, ist Henri de Lubac. Er war zwar kaum an den Textarbeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) beteiligt, schuf jedoch durch seine Schriften wertvolle Voraussetzungen in der Theologie, deren indirekter Einfluss auf die Konzilsväter umso höher zu veranschlagen ist.

Die Tradition vergessen

Der nun wieder vorgelegte Band von de Lubacs "Krise zum Heil" (Originaltitel in der Übersetzung: "Die Kirche in der aktuellen Krise") ist zum 40. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanums im vergangenen Oktober erschienen. Die 57 Seiten des Bandes bieten eine spirituell gegründete Möglichkeit zum Verständnis der Krisenzeit der Kirche, die das Konzil mit sich brachte.

Lubac kritisiert an dieser "Krisenzeit" das Vergessen kirchlicher Tradition, das den Vätern des Konzils sicher nicht im Sinne stand. Seine Diagnose ist klar: "Die Tradition der Kirche wird verkannt und nur noch als Last empfunden. (...) Dieser Tradition, die glaubend empfangen und im Glauben weitergeführt wird, stellt man vermessen die eigene persönliche 'Reflexion' entgegen." Schlimmer noch: Die Autorität der Kirche werde zur bevorzugten Zielscheibe der Kritik. Die Kirche selbst werde als "feindlich", "tyrannisch" und "repressiv" eingestuft.

Müssen solche Tendenzen, deren Ausläufer auch heute, Jahrzehnte danach, nicht abklingen, de Lubac nicht in der Seele weh getan haben? Gerade dieser Jesuit war bis zum Konzil innerhalb seines Ordens einen schweren Weg zur Wiederentdeckung und Fruchtbarmachung der katholischen Tradition früher Jahrhunderte gegangen. Verschüttete Quellen öffnete seine Bearbeitung von Texten der frühen kirchlichen Tradition. Lubacs Theologie wurde sogar zunächst fälschlicherweise als ausschließlich neu verkannt, ohne darin den urkatholischen Ansatz der Erneuerung auf dem Hintergrund der Tradition zu sehen - oder sehen zu wollen.

Lubac, gezeichnet durch die Hölle des Ersten Weltkriegs, hatte Jahre seines Lebens gehorsam durch die Kirche gelitten. Zehn Jahre lang war er von seinem Lehrstuhl in Lyon verbannt. Er hatte das System des Verschweigens und Ränkeschmiedens in der Kirche erfahren. (Kirchen-)politisches Hickhack beinhaltet seine Schrift deshalb gerade nicht. Auch ist sie nicht polemisch, sondern - angesichts der nicht zu verschweigenden Krise - ehrlich. Und immer noch wohltuend sanft.

"Krise zum Heil" ist ein Schlüssel zum ehrlichen christlichen Umgang mit der Kategorie Tradition nach dem Konzil. Es hebt sich auch von Jacques Maritains "Der Bauer von der Garonne? ab. Maritain beschreibt darin die unmittelbare Zeit nach dem Konzil - und ihre Auswüchse. Der Konvertit, Thomist und Laie Maritain, von Papst Paul VI. am Ende des Konzils noch zum "Prototypen" des katholischen Intellektuellen erhoben, erscheint im "Bauern von der Garonne" in vielerlei Hinsicht resigniert, ganz im Gegensatz zu de Lubac.

In seinem Vorwort zur Neuausgabe arbeitet Voderholzer auf dem Hintergrund verschiedener theologischer Problemstellungen immer wieder Lubacs positiven Traditionsbezug hervor. Er zeigt auf, wie er sich von bis dahin herrschenden Engführungen der Theologie, aber auch von einem utopischen Aufbruch um des Aufbruchs willen, abhebt.

Lezinsky verweist in seinem Nachwort auf die lohnende Mühe, jenseits festgefahrener Interpretationsmodelle zum eigentlichen des Vatikanums zurückzufinden. Das geschehe durch die "packende Herausforderung", aus den tatsächlich oft unterschiedlichen Stimmen des Konzils die eine Stimme des Heiligen Geistes herauszuhören. Und damit dies gelingen kann, ist es von großem Nutzen, Lubacs "Krise zum Heil" zu lesen.

Veit Neumann

Henri de Lubac, Krise zum Heil, Eine Stellungnahme zur nachkonziliaren Traditionsvergessenheit, Berlin 2002, 7,80 Euro

Krise zum Heil ->zum Buch

->weitere Rezensionen

Bestellung per @eMail oder per Telefon: (030) 688 35 10 21

->aktuelle Bücher ->CDs ->Veröffentlichungsliste